Mit Mann und Ross und Wagen....

Gerade jetzt im August, als die Leute alle Hände voll zu tun hatten, die Getreideernte unter Dach und Fach zu bringen, kamen die Anordnungen des Amtskastners : Fuhrdienste für das Militär! Jeder Pferdehalter musste damit rechnen,von einem Tag zum andern, ein Gespann mit Fuhrknecht bereitstellen zu müssen. Tagelang waren sie oft im Einsatz, während zu Hause die dringendsten Arbeiten liegen blieben. Trotz allem aber mussten die Bauern froh sein, wenn ihre Gespanne wieder heil heimkamen, denn nicht selten wurden die Pferde samt Wagen vom Militär konfisziert. In den Abrechnungen der Kriegslasten durch das Kastenamt finden wir u.a. Einzelheiten über die von den Wolferstädter Bauern geleisteten Fuhrdienste:

Ansaz
derjenigen Uncosten, so die Wolferstätter Gemeind
sowohl vor die königl. kaiserl. als auch französischen Truppen
hatte zu ertragen, seyend folgende:

Erstlich ist der Gemeinde bey Millitärischer Execution aufgetragen worden, 2 zweyspännige Wägen nach Nördlingen abzuschicken alldorten kaiserliches Magacin nach Neuburg abzuführen, auf welche die hiesige Gemeinde den Lorenz Schneid ( Hs.Nr.53 "Bertele") und den Johann Heckl (Hs.Nr.11 "Preiß"), abgeschickt hat, mithin mit 2 Wägen 3 1/2 Tag seyend ausgeblieben.

2 t. seyend wiederum auf Verlangen eines wohllöblichen Landrichteramtes oben gemeldten Auftrags, 2 zweyspännige Wägen nach Nördlingen abgeschickt worden, allwo Martin Kraus ( Hs. Nr.28 "Bapischt") , Martin Rusch (Hs.Nr.44 "Beidewanger"), Jos.Mergle ( Hs.Nr.25 "Geigapeter") und Johannes Ferber ( Hs.Nr.40 "Jackermühl") seyend also 6 Tage ausgeblieben.

3t seyend wiedrum auf oben gemeldten Auftrag 2 vierspännige Wägen nach Donauwerth abgeschickt worden und die Gemeindmänner Jos. Mergle ("Geigapeter") , Xaver Mielich (Hs.Nr.34 "Baltebauer") , Anton Schlicker (Hs.Nr.58 "Thomasbauer") , Michael Ferber (Hs.Nr.2 "Zollbauer-Schreiner") und Leobold Kazenberger (Hs.Nr.59 "Poldlmühl") von hiesiger Gemeind.

4 t Seyend wiederum auf oben gemeldten Befehl von hiesiger Gemeinde 3 Vierspännige nach Neuburg abgeordnet worden und seyend die Gemeindter Johann Heckel (Hs.Nr.11 "Preiß"), Michael Binder (Hs.Nr.12 "Anderla") , Andreas Vogel (Hs.Nr.13 "Pfula") von hiesiger Gemeind 10 Tage ausgeblieben

5 t den 2 ten Wagen hat zu führen übernohmen Lorentz Schneid (Hs.Nr.53 "Bertele") und Leobold Kazenberger (Hs.Nr.59 "Poldlmühl") mit 4 Pferdt und seyend mit 4 Pferdt 8 und ein halben und mit 2 Pferdt 5 und ein halben Tag ausgeblieben.

6 t den dritten Wagen hat übernohmen Martin Stachel ( Hs.Nr.3 "Binderwanger") mit 4 Pferdt und ist also 5 Tag mit 4 Pferdt und 9 Tag mit 3 Pferdt ausgeblieben.

7 t seyend wiederum 3 Wägen nach Nördlingen abgeschickt worden

8 t ist ein Wagen mit Leopold Kazenberger (Hs.Nr.59 "Poldlmühl") und Antoni Fürst (Hs.Nr.4 "Fieschtla") nach Monheim, und von dort aus nach Donauwerth geschickt worden mit 3 Pferdt,

9t. seyend 3 Wägen mit Josef Wörle (Hs.Nr.72 "Wörle"), Heinrich Mayer ( Hs.Nr.69 "Schäfer") und Lorenz Schneid (Hs.Nr.53 "Bertele") nach Rennertshofen abgeschickt worden, von welchen 2 Wägen 2 1/2 und der 3 te 6 Tag ausgeblieben

10t. Michael Ferber(Hs.Nr.2 "Zollbauer-Schreiner") ist 6 Tag mit einem Wagen ausgeblieben

11t. Martin Stachl ( Hs.Nr.3 "Binderwanger") und Antoni Fürst (Hs.Nr.4 "Fieschtla") seyend wegen ihrer Fuhr nach Donauwerth mit 4 Pferdt auf 2 Tag bezahlt worden

12t. Ist Antoni Fürst ,(Hs.Nr.4 "Fieschtla") Michael Ferber (Hs.Nr.2 "Zollbauer-Schreiner")und Joh. Heckel (Hs.Nr.11 "Preiß") mit 3 Wägen und 6 Pferden nach Donauwerth und von dort nach Nördlingen gefahren und 3 Tag ausgeblieben.

13t. Anton Fürst , Leopold Kazenberger (Hs.Nr.59 "Poldlmühl") , Jos. Wörle
(Hs.Nr.72 "Wörle") haben mit 4 Pferd einen Wagen von Wemding nach Ingolstadt abgeführt und seyend 3 Tag zu bezahlen

14t. Michael Ferber (Hs.Nr.2 "Zollbauer-Schreiner"), Martin Stachel ( Hs.Nr.3 "Binderwanger")führten einen Wagen Heu nach Ingolstadt

15t. Johann Heckel (Hs.Nr.11 "Preiß"),, Jos. Mergle ( Hs.Nr.25 "Geigapeter"), Georg Weber (Hs.Nr.29 "Flurer") und Franz Heckel (Hs.Nr.80 "Weberjackl") führten
ebenfalls einen Wagen mit Heu nach Ingolstadt:

Den 16ten May 1798 wurde ein vierspänniger Wagen nach Eichach abgeschickt und Anton Fürst (Hs.Nr.4 "Fieschtla") pr. 3 Tag bezahlt.

Der Hagauer Gemeind wurde wegen einer Fuhr nach Eichach der 3 te Theil vergütet mit 12 fl

Den 12. November 1798 wurde dem Simon Burger (Hs.Nr.49 "Zollbauer") und Lorenz Schneid (Hs.Nr.53 "Bertele") wegen 2 Keisersheimischen Fuhren von Donauwörth nach Landsberg mit zwey vierspännigen Wägen bezahlt pr. 4 Tag 96 fl

Den 26. Merz 1799 sind von hier nach Eichstädt 2 vierspännige Wägen mit K.K.Magazin nach Ulm abgeordnet worden und wurde jedem des Tags 12 f, sohin pr. 7 Tag bezahlt: 168 fl

Weil manche Gespanne von den abziehenden Soldaten beschlagnahmt und mitgenommen wurden, beauftragte der Kastner die "Vierer" (Bürgermeister) und einige "Gerichtsleute" (Schöffen des Dorfgerichts), die Verluste zu schätzen, um beim Landgericht eine Entschädigung beantragen zu können. In ihrem Bericht heißt es u.a.:

Dem Stephan Jung
(Anwesen zwischen Bertele und Singer)
seyend zwey Ferd mit sambt dem Zeig (Geschirr) fort.
find er: .........................................................................100 fl

Simon Burger ("Zollbauer")
eins (Pferd)............................................................ zu 20 fl
eins .........................................................................zu 50 fl
zusammen .................................................................70 fl
das Zeig (Geschirr) zu den Pferden: angeschlagen... 20 fl
2 Wagen.................................................in Anschlag: .....60 fl

Lorenz Schneid ("Bertele")
sein Pferd............................................................... in Anschlag 30 fl
Zeig sadel geschirrt zamm..................................... in Anschlag 25 fl
den Wagen sambt Keten ...................................... angeschlagt 60 fl

Auf ein entsprechendes Ansuchen des Andreas Ruesch (Hs.Nr.84:"Baura Wastl") ging vom Landrichter folgendes Antwortschreiben ein:

Dem Andreas Ruesch von Wolferstadt wird auf sein geziemendes Ansuchen bezeuget, daß diejenigen 100 f, so er zur Auslösung seines heuer von den kaiserlichen Truppen weggenommenen Pferdes dermal aufzunehmen vermüßiget ist , seiner Zeit, wo alle bey gegenwärtiger Zeit den Gemeinden zugebeute Schäden werden beschrieben und sodann vom ganzen Land verhältnismäßig werden vergütet werden, gedachte 100 fl ebenfalls werden in Ansatz gebracht und vergütet werden.

Urkund dessen gegenwärtiges Zeugnis ertheilt worden.

Monheim 18. Septb. 1796

Curfürstl. Landgericht

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