300 Jahre Laurentiuskapelle in Wolferstadt

Pfarrei und Gemeinde Wolferstadt feierten im Jahre 2010 mit mehreren Veranstaltungen das Jubiläum ihrer dem heiligen Laurentius geweihten „Kappl“, die auf ein stolzes Alter von 300 Jahren zurückblicken kann. 70 Jahre- ein Menschenalter - nach den leidvollen Erfahrungen des 30-jährigen Krieges entstand dieses Bauwerk in einer überaus bewegten Zeit

Unruhige Zeiten

Noch waren die Erinnerungen an die Schrecken des dreißigjährigen Krieges nicht verblasst, da drohten neue Kriegsgefahren. Die Janitscharen des türkischen Heeres standen an den Grenzen des Reiches, belagerten 1683 Wien und bedrohten das christliche Abendland. Nach dem Entsatz der Stadt kam es auf dem Balkan zu langjährigen Auseinandersetzungen mit den „Muselmanen“ (Türken), bei denen sich neben dem Habsburger Prinz Eugen der bayerische Kurfürst Max Emmanuel („der blaue Kurfürst“) besonders auszeichnete. Der endgültige Sieg der christlichen Heere über den Islam wurde als glorreiches Zeichen des Himmels gesehen.
In einer ähnlichen Situation befand sich das Reich bereits im Jahr 955, als die Ungarn Augsburg belagerten. Die Verteidigung wurde von Bischof Ulrich geleitet bis das Heer Ottos des Großen eintraf. Am 10.August 955 kam es zur Schlacht auf dem Lechfeld. Durch die Fürsprache des Tagesheiligen, St.Laurentius – davon war man überzeugt – wurden die Feinde des Christentums besiegt. In dankbarer Verehrung wurden landauf landab Dome, Kirchen und Kapellen dem heiligen Laurentius geweiht.
Um die Wende vom 17. zum 18.Jahrhundert, als sich die Wolferstädter anschickten, eine Kapelle zu Ehren des heiligen Laurentius zu errichten, beunruhigten erneut Kriegshandlungen das Land. Diesmal war es der Spanische Erbfolgekrieg, der sich in seiner entscheidenden Phase in unserer Gegend austobte. Österreichische und englische Truppen besiegten im Jahre 1704 am Schellenberg und vor allem bei Höchstädt die mit den Franzosen verbündeten Bayern. Das kurbayerische Wemding wurde von einer österreichischen Einheit unter General Johann von Palfi belagert und erobert, worauf zahlreiche Bürger in das pfalz-neuburgische Wolferstadt bzw.Hagau flohen.
Bis 1716 stand Süddeutschland unter österreichischer Verwaltung. Die neuen Herrn schalteten und walteten als Besatzungsmacht, belegten das Land mit Abgaben, Einquartierungen und Dienstleistungen für das Militär. Wegen der allgemeinen Kriegslage mussten die Bauarbeiten wiederholt unterbrochen werden.

Die Frage nach einem Vorgängerbau

Verschiedenlich wird eine ältere Kapelle als Vorgängerbau vermutet. Man stützt sich dabei auf ein Schriftstück im Diözesanarchiv zu Eichstätt, wo im Zusammenhang mit der Weihe von „St.Martin auf dem Berg“ auch von einem Kirchlein „St.Laurentius im Tal“ die Rede ist und in Verbindung mit dem Kloster Berchtesgaden gebracht wird . Dieser Hinweis (auf die Zugehörigkeit zum Kloster Berchtesgaden) ist interessant, da die erste urkundliche Erwähnung Wolferstadts im Jahre 1144 auf einen Handel zurück geht, in dem Mangold von Werd (Donauwörth) seinen Hof in Wolferstadt dem Augustiner-Chorherrnstift in Berchtesgaden übereignete. Es wäre also durchaus denkbar, dass Berchtesgaden damals mehrere Güter in Wolferstadt besaß und mit dem Bau einer eigenen Kirche seine Präsenz in der Region zeigen und gewisse Herrschaftansprüche gegenüber dem Domkapitel geltend machen wollte..

Abgegangene Orte:

Daneben ist die Annahme, dass das Kirchlein eventuell für eine ganz andere Siedlung gedacht war, nicht von der Hand zu weisen. In den Urbaren der Deutschordenshäuser von Ellingen und Oettingen sowie der Marschälle von Pappenheim sind Orte in der fraglichen Gegend verzeichnet, die heute nicht mehr existieren. Genannt werden Siedlungen, die in den Rodungsperioden des Mittelalters entstanden sind: so der Weiler „Ulperch“ auf der gleichnamigen Hahnenkammhöhe, „Spindelweidach“ zwischen Brenneisenmühle und Magdalenenstein, „Burkhardsweiler“ auf dem Weg nach Döckingen, „Wasserstall“ am Westenbrunnen, sowie im Bereich zwischen Holderstein und Spitzmühle die Namen „Langenloh“, „Bernloh“ und „Mahallberg“ (Mühlbuck) Verschiedene Kleinfunde (Scherben, Münzen) sind Zeugnisse ehemaliger Siedlungen.. In diesem Zusammenhang verdient der Flurname „Bayerles Schloß“ Beachtung. Wahrscheinlich wurden hier Mauerreste gefunden, deren Zuordnung nicht eindeutig festgestellt werden konnte. Sind es Spuren eines Gehöftes, einer Burg oder waren es gar die Überreste einer früheren Laurentiuskapelle?
Es gibt jedoch weder eindeutige schriftliche Zeugnisse noch irgendwelche Baureste im Bereich unserer Kapelle.
Über den Bau gegenwärtiger Kapelle heißt es in einer Inschrift am Hochaltar :

„Anno 1702 Ist dieße Capell von Grundt Auff gefiert
durch fleiß und bemiehungen deß wohl Ehrwirdigen und Hochgelehrten herrn Licenciat Johann Bayr der Zeit pfarrer zu wolferstatt, durch beyhilff unterschiedlicher guettäter von welichen alle Auff Gegangne uncosten durch gemelten herrn pfarrer seint ersamblet und aufgebracht worden.“

Es handelt sich also zweifellos um einen Neubau, „von Grundt Auff gefiert“ mit dem man im Jahre 1702 begann, übrigens dem Jahr des Baubeginns der fürstbischöflichen Residenz zu Eichstätt.

Durch "Fleiß und Bemühungen" des Pfarrers und "Beihilf unterschiedlicher Guttäter"

Bedrückende Ängste auf der einen und euphorische Hochstimmung auf der anderen Seite verliehen dem religiösen Leben neue Impulse. Das Bedürfnis der Wolferstädter Bevölkerung, ihre Bitten und Danksagungen in einem würdigen Rahmen vor den Herrn bringen zu können bestärkte die Pfarrei in ihrem Vorhaben zumal die Pfarrkirche sich in einem äußerst desolaten Zustand befand. Angesichts der unsicheren Lage während des Spanischen Erbfolgekrieges gingen die Bauarbeiten an der Laurentiuskapelle nur schleppend voran oder ruhten zeitweise gänzlich. Dass im Jahre 1710 die Kapelle fertiggestellt und feierlich eingeweiht werden konnte, zeugt von großem Glaubenseifer aber auch von einer gewissen Wohlhabenheit der Wolferstädter, denn man konnte dank der reichlich fließenden Spenden die Kapelle größer und aufwändiger erstellen als ursprünglich geplant war.
Initiator war nicht etwa das Domkapitel, das als Orts- und Patronatsherrschaft eigentlich für alle religiösen Belange und somit auch für die Baulast am Gotteshaus zuständig war, sondern der Ortspfarrer. Ihm gelang es, die Bevölkerung für das Projekt zu begeistern und die Spendenfreudigkeit anzuregen. Der desolate Zustand der Pfarrkirche, die Untätigkeit des Domkapitels in Sachen Sanierung, vielleicht auch die „lutherische Vergangenheit“ von St. Martin während der Reformationszeit (1542 – 1616),die Kriegsnöte der Zeit und nicht zuletzt die Lage von St. Martin auf der beschwerlich zugänglichen Höhe waren für die Wolferstädter überzeugende Argumente für einen Neubau im Tal.

Rückblick: Wolferstadt während der Reformationszeit

Der religiöse Eifer der Wolferstädter ist schon bemerkenswert, wenn man bedenkt, welch turbulente Umwälzungen das religiöse und kirchliche Leben in den vorangegangenen 1½ Jahrhunderten erfahren hatte. Im Zuge der Reformation musste Wolferstadt innerhalb von 2 Generationen vier mal ihren Glauben wechseln.

1.Wolferstadt wird protestantisch:

1542 ließ der damalige Landesherr Ottheinrich in seinem Territorium die Reformation durchführen. Nach dem damals geltenden Grundsatz, cujus regio,ejus religio bestimmte der jeweilige Fürst den Glauben seiner Untertanen. Das Volk hatte keinerlei Entscheidungsbefugnis. Trotzdem ging der Übergang zumeist problem- und widerstandslos vonstatten. In der Regel traten die Pfarrer zum evangelischen Glauben über, nahmen sich auf Drängen Ottheinrichs eine Ehefrau, meist die Haushälterin und betreuten ihre Pfarrkinder wie zuvor. Die Gläubigen selbst merkten kaum etwas vom Glaubenswechsel.

2. Wolferstadt wird wieder katholisch

1546 ging der katholische Kaiser Karl V. mit militärischer Macht gegen die protestantischen Fürsten vor, um in seinem Reich die religiöse Einheit wieder herzustellen. Im Verlauf des sogenannten Schmalkaldischen Krieges wurde unteranderem das Fürstentum Neuburg von den Kaiserlichen erobert. Ottheinrich musste nach Heidelberg fliehen und der kaiserliche Statthalter veranlasste die Wiedereinführung des alten Glaubens.

3. Wolferstadt wird wieder protestantisch

1552 hieß es wieder „Kommando retour!“, denn Ottheinrich kam in sein Fürstentum zurück. Nun setzte er mit Nachdruck die Reformation durch und ließ die Pfarrer wieder auf seine protestantische Kirchenordnung verpflichten. Wer sich nicht zur neuen Lehre bekennen wollte musste das Land verlassen. In seinem radikalen Reformeifer veranlasste er, dass die Seitenaltäre und sämtliche Bilder aus den Kirchen entfernt wurden. Auch das Wallfahren war ihm ein Dorn im Auge und wurde untersagt. Um dem Verbot Nachdruck zu verleihen, ließ Ottheinrich in seinem Territorium Wallfahrtskirchen schließen oder abbrechen. Im Falle der Wallfahrtskirche auf dem Ulberg verfügte Ottheinrich, das Dach abzudecken und sie so dem Verfall preis zu geben.
Die Wolfertädter haben den erneuten Glaubenswechsel akzeptiert und sind eifrige Lutheraner geworden.

4. Wolferstadt wird endgültig katholisch

1616 kam es in Neuburg zu einem folgenschweren Regierungswechsel. Nach dem Tode des überzeugten Lutheraners Philipp Ludwig folgte dessen Sohn Wolfgang Wilhelm. Dieser war schon vorher streng geheim zum Katholizismus übergetreten. Nach seinem Regierungsantritt leitete er sofort die Gegenreformation ein. Das bedeutete für Wolferstadt erneuten Konfessionswechsel, den vierten innerhalb von 75 Jahren. Dieses Mal regte sich jedoch landauf landab Widerstand. Der Monheimer Landrichter Spürinek hatte alle Hände voll zu tun, um die widerspenstigen Untertanen abzustrafen.
Besonders eifrige und hartnäckige Lutheraner waren die Hagauer. Der Wolferstädter Chronist Conrad Fürst bemerkte dazu
.
Ja, eine Zeit lang kam es vor, daß der Mann zum lutherischen Gottesdienst nach Polsing wanderte, während das Weib den katholischen in Hagau oder Wolferstadt besuchte. Zuletzt siegte die Macht des Weibes. Weil das schöne und zugleich fromme Geschlecht im Katholischwerden den Männern voranging, so behauptet es zum steten Angedenken hiefür noch heute die Kirchenstühle zur rechten Seite der St.Vituskirche.“

Religiöser Aufschwung

Ein knappes Jahrhundert nach der Gegenreformation hatte u.a. mit Hilfe der Jesuiten aus Ingolstadt und Dillingen der alte katholische Glauben wieder Fuß gefasst, und aus dem Elend und Trümmerchaos des 30-jährigen Krieges erwuchs neues religiöses Leben mit einer spezifisch katholisch geprägten Volksfrömmigkeit. Das Wiederaufleben zahlreicher Wallfahrten war sichtbarer Ausdruck. So wurde zu Wemding das Gnadenbild, das der Schuhmacher FranzForell 1683 aus Rom gebracht hatte, Gegenstand allgemeiner Verehrung und innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich „Maria Brünnlein“ zu einem nicht nur regional bedeutenden Wallfahrtsort.
Die wieder gewonnenen Lebensfreude bewirkte eine heiteren Frömmigkeit, was schließlich auch beim Kirchenbau in einer neuer Stilepoche seinen Niederschlag fand: im Barock. Das Gotteshaus sollte ein Abbild der himmlischen Herrlichkeit sein und die Gläubigen durch die Entfaltung von Pracht und Prunk in seinen Bann ziehen. Der barocke Kirchenbau vermittelt in einem lichtdurchfluteten Raum mit seinen fröhlichen Putten und reichen Zierat eine Vorahnung vom himmlischen Jerusalem, das den Gläubigen verheißen ist.

Die Laurentiuskapelle in Wolferstadt

Bescheiden und einfach in ihrem äußeren Erscheinungsbild präsentiert sich die Wolferstädter „Kappl“ dem Besucher. Der Baukörper ist klar und harmonisch gegliedert in seiner Dreiteilung Chorraum mit Apsis, Langhaus und Turm mit aufgesetztem Oktogen und Zwiebelhaube. Der Zugang befindet sich im Untergeschoß des Turmes. Zum Kircheninneren gelangt man durch ein schmiedeeisernes Tor, das im Zuge der Renovierungsarbeiten in den 1970-er und 1980-er-Jahren ein altes Eisengitter ablöste,das von der ehemaligen Hagauer Liebfrauenkirche stammte.
Dahinter erstrahlt nun das Kirchlein in überraschender Schönheit der Bilder, Statuen und vor allem der überschäumenden Pracht der Stuckarbeiten an Decke und Wänden

.

Der Blick wird auf das harmonisch abgestimmte Ensemble der Altäre gerichtet, die sich in ihrem dunklen Rot von dem strahlenden Weiß der Wände abheben. Ursprünglich domninierte – ähnlich dem Hochaltar in der Stadtpfarrkirche zu Wemding – die schwarze Farbe. Der reich gegliederte Aufbau des Hochalters mit seinen in einem matten Grün gehaltenen Säulen betont seine liturgische Bedeutung und seine theologische Aussage.

Zwischen den Säulen stehen links Johannes der Täufer und rechts Johannes der Evangelist. Während der Täufer auf die Gegenwart des Herrn im Tabernakel hinweist gemäß den überlieferten Worten:“Mitten unter euch ist einer, den ihr nicht kennt. Seht, er ist das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt!“ Der Evangelist hingegen zeigt mit eindringlicher Geste auf das Altarbild, das das Blutzeugnis des heiligen Laurentius uns vor Augen führt:


Der jugendliche Laurentius ist auf dem Rost angekettet, seine Arme breitet er – ähnlich seinem gekreuzigten Herrn – aus. Die Henker schüren eifrig das Feuer unter dem Rost und quälen ihr Opfer mit Lanzen und Eisenstangen. Ihm winken Kreuz und Palmzweig, die Zeichen des Sieges, die ihm ein Putto entgegenhält. Auf einem Schimmel reitend eine Lichtgestalt mit Lorbeerkranz, die triumhierend den Sieg verkündet über die dunklen Mächte dieser Welt, dargestellt mit einer Statue auf einer Säule mit einer Teufelsmaske in den Händen. Dazwischen schemenhaft zu erkennen mit ausgebreiteten Armen der väterliche Freund, Papst Sixtus II., der Laurentius betend in seiner Todesstunde beisteht.

Im Antipendium ist eine dramatische Szenen aus dem Leben des Heiligen dargestellt. Laurentius führt dem Statthalter und seinem Gefolge den Reichtum der Kirche vor mit den Worten:

„Schau, dies sein die Schätz der Kirchen“

Arme und Kranke auf drei Wagen, die von 5 Pferden gezogen werden. Sein mutiges Auftreten gegen die Staatsgewalt büßt er mit dem schrecklichen Martertod.

-------------------------------------

Zu beiden Seiten des Hochaltars finden wir die Statuen der hl. Maria Magdalena im Büßerkleid mit dem Totenschädel und gegenüber die des hl. Petrus in der Pose des reuigen Sünders nachdem er den Herrn dreimal verleugnet hatte.Beide Figuren sollen aus der ehemaligen Liebfrauenkirche zu Hagau stammen.

Der rechte Seitenaltar

Eingerahmt von zwei Säulen steht der hl. Wendelin, der große Bauernpatron des alemannisch-fränkischen Raumes. Er ist als frommer Hirte in betender Haltung dargestellt mit Hirtenstab und Tasche. Schafe drängen sich an ihn und ein Ziegenbock beäugt ihn zutraulich.
Engel halten Mitra und Bischofsstab über den Heiligen. Eine Legende berichtet, dass Wendelin, ein iro-schottischer Adeliger, Abt des Klosters Tholey im Saarland gewesen sei. Sein Grab wird bereits im Jahre 1000 in St.Wendel/Saar erwähnt. Sicher dürfte sein, dass er um 570 als Einsiedler in den Vogesen lebte.
Vor allem in der Spätgotik und in der Barockeit wird Wendelin auf dem Land hoch verehrt. Er sorgt für das Vieh, hilft, wenn Seuchen und Krankheiten drohen, geleitet die Pferdegespanne und labt das dürstende Vieh mit frischem Wasser.
Im Auszug des Altars ist der hl.Antonius mit Lilie und dem Jesuskind dargestellt.

Aufwändige Stuckarbeiten

Als herausragendes Dekorationselement barocker Kunst verleihen die schwungvollen und üppigen Stuckarbeiten dem Raum ein festliches Gepräge. Feine Schnörkel, schwungvolle Ranken und hängende Arkanthuszweige umspannen das Deckengewölbe netzartig und lockern die durch Fenster und Bögen vorgegebenen strenge Linien auf. Girlanden aus Blättern und Bündeln von Früchten rühmen den Schöpfer und Gabenspender und bringen eindrucksvoll das Anliegen des gläubigen und frommen Bauernvolkes zum Ausdruck: die Bitte um Gedeihen der Feldfrüchte
Das Handwerk des Stuckierens erfuhr in dieser Zeit eine besondere Blüte. Von Italien aus kam es nach Süddeutschland, wo sich alsbald begnadete Handwerker zu herausragenden Vertretern dieser Kunst entwickelten und unter der Bezeichnung „Wessobrunner Schule “bekannt wurden. Da das Schloss zu Oettingen und die Schlosskapelle zu Otting auch in dieser Zeit erbaut wurden und von Angehörigen der berühmten Stukkateur-Familie Schmuzer aus Wessobrunn ausgestaltet wurden und die Stilmerkmale sich auffallend ähneln, ist anzunehmen, dass sie auch in unserer Kapelle tätig waren.

Die vier Wandbilder im Langhaus

Der heilige Sebastian neben dem rechten Seitenaltar:


An einen Baum gefesselt erträgt er die vielen Pfeile in seinem Körper. Im Hintergrund auf einem Schimmel reitend ein römischer Offizier, der die Hinrichtung leitet. Mehrere Soldaten stehen Spalier während einer soeben seinen Bogen spannt. Auf der linken Seite ist hinter einem Stapel Holz eine Frau zu erkennen. Die Legende erzählt, Sebastian sei halbtot liegen gelassen und von der Frau wieder gesund gepflegt worden.

:

Der heilige Felix von Cantalice

Sein volkstümlicher Name war wegen seiner ständigen Dankesworte „Bruder DEOGRATIAS“. Felix war Kapuziner- und Sammelbruder für das Kloster und die Armenpflege in Rom.
„Deo gratias“ steht auf den Sammelsäcken geschrieben, die von Engeln bewacht werden. Eine Legende erzählt von einer Erscheinung, bei der ihm die Gottesmutter das Jesuskind in die Arme gelegt haben soll. - Felix lebte von 1515 bis 1587 in Rom. Er war beim Volk hoch geschätzt und hat in der Zeit der Reformation wesentliche Akzente bei der Stärkung des Katholizismus gesetzt.

Der heilige Erzengel Michael:

Ihn stellt das Bild neben dem linken Seitenaltar dar. Er trägt in seiner Linken die Seelenwaage, in der Rechten ein Flammenschwert, bereit zum Kampf gegen alle Teufel, die in der unteren Hälfte des Gemäldes zu sehen sind. Die Michaelverehrung in Süddeutschland geht auf die Zeit der Ungarneinfälle zurück, die mit der Schlacht auf dem Lechfeld (955) ein glückliches Ende nahmen.

Der heilige Johannes Nepomuk:

Das Wandbild links zwischen den Fenstern führt uns den Heiligen vor Augen. Als Domherr gewandet hält er ein Kreuz und einen Palmenzweig in Händen. Zwei Engel krönen den Märtyrer mit einem Sternenkranz.
Die rechte Bildhälfte zeigt die Moldaubrücke in Prag, über die Johannes in die Fluten gestürzt wurde.
Die Legende erzählt, dass Johannes im Jahre 1393auf diese Weise den Martertod erleiden musste, weil er das Beichtgeheimnis nicht brechen wollte, was der König von ihm verlangte, weil er Zweifel an der eheliche Treue der Königin hegte.
Zu Ehren des standhaften Heiligen wird seine Statue gerne an Brücken postiert.
Die farbenfrohen Glasfenster sind der romantisch-religiösen Kunstrichtung der „Nazarener“ zuzuordnen. Ihre Vorbilder waren die deutsche Malerei des 16.Jahrhunderts (Albrecht Dürer) und die italienische Hochrenaissance (Raffael).
Farbe und Lichtführung ordnen sich harmonisch in die Raumgestaltung, deren Schönheiten den aufmerksamen Betrachter zutiefst beeindrucken kann.
Unsere Vorfahren haben mit dieser Kapelle ein herrliches Zeugnis ihres Glaubens errichtet; die nachfolgenden Generationen haben weder Kosten noch Mühen gescheut, dieses herrliche Kleinod zu erhalten.

Bemühungen, die Kapelle zu erhalten

Der bauliche Zustand der Kapelle scheint in den 20-er Jahren des vorigen Jahrhunderts äußerst desolat gewesen zu sein, da zwischen dem Landbauamt und zuständigen baulastpflichigen Stellen ein reger Schriftwechsel stattgefunden hat. Um in den Genuss einer größtmöglichen finanziellen Förderung durch den Staat zu kommen, wurde von den Behörden die Umwidmung der Kapelle in eine Kriegergedächtniskapelle vorgeschlagen, was von den Vertretern der Gemeinde und der Laurentiusstiftung jedoch abgelehnt wurde. Eine umfassende und vor allem nachhaltige Restaurierung kam wegen der ungünstigen Lage am Bach aus Kostengründen nicht in Frage. Man musste sich auf die vordringlichsten Maßnahmen zur baulichen Erhaltung beschränken.
Am 6.Juli 1927 wurde in einer Sitzung des Ortsausschusses sowie der Kirchen- und Gemeindeverwaltung beschlossen, die Dachung der Kirche und der Sakristei sowie den Verputz innen und außen, soweit er durch die Feuchtigkeit Schaden gelitten hat, auszubessern und den hölzernen Fußboden zu erneuern.
Im September und Oktober 1934 wurden auf Veranlassung des Landbauamtes erforderliche Reparaturarbeiten am Turm vorgenommen: Die Westseite wurde neu verputzt, die Südseite ausgebessert.
An der Kuppel wurden diese Arbeiten durchgeführt::
-Erneuerung der Wetterfahnenstange
-Ausbesserung der Blechabdeckung und Erneuerung der Helmeinfassung
-zweimaliger Anstrich der Blechabdeckung.
Die Kosten beliefen sich auf 170 RM. Die Maurerarbeiten führte Maurermeister Färber und die Spenglerarbeiten Spenglermeister Hänsel von Wemding aus.

Die letzten Sanierungsarbeiten

In den Kriegs-und Nachkriegsjahren ruhten die Arbeiten bis 1960. Unter Pfarrer Anton Bauer und Bürgermeister Martin Kleinle sowie unter Pfarrer Markus Harrer und Bürgermeister Xaver Schnierle wurden folgende Sanierungsarbeiten durchgeführt:
1961: Dach gedeckt und neuer Verputz aufgetragen
1962: Bach verlegt und damit das Grundübel beseitigt.
1970: Besichtigung durch Landeskonservator Fredrich (die bunten Glasfenster sollen entfernt werden)
1974: Beginn der Stuckarbeiten durch die Firma Schnitzer von Augsburg
1975: Landesamt für Denkmalspflege: ursprüngliche Fassung des Hauptaltars war in Schwarz und Gold (siehe Wemding!)
1978: Die Firma Bienapfl, Augsburg entfern alte Kalkschichten von Decke und Wänden
1980: Stuckarbeiten werden durch die Fa. Holzbock aus Münsterhausen fortgesetzt. Laut neuem Landeskonservato sind die bunten Glasfenster erhaltenswert
1981: Die Firma Bienapfl tüncht den Innenraum. Die Schreinerei Karl Färber fertigt die Treppe zur Empore und der Schreiner Martin Rebele legt den Emporeboden,bessert die Türen aus und fertigt ein neues Fenster in der Sakristei an
1982: Der Fußboden wird mit Juramarmor belegt, der Außenbereich mit Gittersteinen gepflastert. - Die Zimmerei Markus Hönle und Maurermeister Adolf Kratz führen Dacharbeiten über dem Chorbereich aus. - Einen neuen Außenanstrich erhielt die Kapelle durch Malermeister Karg. Schließlich lieferte der Schreiner Karl Färber ein neues Gestühl. und der Schmiedemeister Alois Scheurer das eiserne Gitter am Eingang..

Der Abschluss der Renovierungsarbeiten und die Einweihung der im neuen Glanz erstrahlten Laurentiuskapelle wurde am 7. und 8. August 1982 mit einem großen Fest gefeiert.


Ein Blick in die Vergangenheit Geschichte der Pfarrei Der Roemerstein von Wolferstadt Hagau Das Ehehaftbuch von 1571 Franzosen in Wolferstadt Geschichtliches von Zwerchstrass
Sühne für Mord und Totschlag Anwesen und deren Besitzer im 19.Jahrhundert Gefallen für...............

Wolferstadt im Licht der Ehehaft von 1571

Geschichte der Schule

Kapelle

Quellen der Geschichte: Gemeinderechnungen

Kapelle