Bet, Kindlein, bet, denn morgen kommt der Schwed!

Während der ersten Kriegsphase blieb unsere Gegend - abgesehen von gelegentlichen Durchmärschen ligistischer Truppen - weitgehend verschont. Als sich jedoch ab 1631 das Kriegsgeschehen nach Süden hin verlagerte und die Region durch die Schlachten bei Rain (1632), Nördlingen (1634) und Alerheim (1645) traurige Berühmtheit erlangte, brach das Unheil mit aller Wucht auf die Bevölkerung herein.
Bereits im November 1631 hausten katholische Truppenteile Tillys in den protestantischen Nachbarorten Döckingen, Heidenheim, Polsingen, Trendel und Ursheim.
Das Herannahen des schwedischen Heeres unter Gustav Adolf im Frühjahr 1632 löste zwiespältige Erwartungen aus. Die einen befürchteten das Schlimmste, während ein Großteil des einfachen Volkes im schwedischen König einen Beschützer des wahren (evangelischen) Glaubens sah. Die Leute hofften auf Gnade und Befreiung, denn

"sie weren nit gern katholisch, sondern lieber ganz lutherisch wie vorher und zuer Catholischen religion genötigt worden."

Am 4. April 1632, am Palmsonntag, kamen die Schweden von Nürnberg her und rückten in Monheim und Wemding ein. Damit begann eine Zeit härtester Drangsale. Opfer brutaler Gewalt waren häufig die katholischen Geistlichen. Der Wolferstädter Pfarrer suchte, wie seine Amtsbrüder von Mündling, Huisheim, Gosheim,Otting und Weilheim Zuflucht hinter den schützenden Mauern Wemdings. Dekan Lochbrunner aus Mündling berichtet am17.Juli 1632 nach Eichstätt,

"wie die Schweden mit meiner Mutter und Schwester umgegangen, dies zu referieren, will ich nicht molestieren. Mit den Pfarrern von Sulzdorf und Flotzheim bin ich zusammengekoppelt und gebunden gewesen, nach völliger Spolation und Traktation wieder ledig gemacht nachdem 400 fl Lösgeld bezahlt worden."

Einen grauenvollen Tod starb am 4. Mai 1633 der Wemdinger Spitalpfarrer Johann Renner, der von den Schweden aus den Schalllöchern vom Kirchturm der Stadtpfarrkirche geworfen wurde.

Bitter beklagte sich Dekan Lochbrunner über die Stimmung in den Pfarreien und das Verhalten der katholischen Bevölkerung:
die Pfarrkinder seien gegen die Katholischen sehr aufgebracht, weil diese schuld seien an ihrem Unglück seit 16 Jahren (d.h. seit Durchführung der Gegenreformation).Die eigenen Leute hätten sogar bei der Plünderung der Kirchen und Pfarrhöfe getreulich geholfen und nicht weniger als die Soldaten selbst getan, darin sie alles, sogar die sacraria (Sakramentshäuser) zerschlagen, verwüstet, allen Kirchenornat samt den Kelchen und Casulen (Messgewänder) entführt, daß nirgends ein einziger Fetzen mehr zu finden.
Bei der occasion (Gelegenheit) sei vieler Herzen Gedanken offenbar und was sie heimlich im Schilde geführt sonnenklar worden, denn über allerlei erdicht scomata (Spöttereien), welche sie gegen die Geistlichen impudico ore evomieren (unverschämterweise verbreiten), laufen sie haufenweise zu unkatholischen Orten, besuchen allda die Predigten und Sakramente, schaffen ab, das Ave Maria zu läuten und zu beten; an hohen Festtagen pflegen sie Feld- und Hausarbeiten, wollen die Kruzifixe auf den Gräbern nicht mehr dulden, bringen vor, sie seien nunmehr schwedisch und ihrer Herrschaft nichts mehr schuldig, die Priester wollten sie nicht mehr hereinlassen, sondern die (evangelischen) Praedicanten.

Angesichts der Kriegsgräuel, die vor allem zwischen 1632 (Schlacht bei Rain) und 1634 (Schlacht bei Nördlingen) eskalierten, mussten die konfessionellen Plänkeleien verstummen. Gemäß dem Grundsatz: "Der Krieg ernährt sich selbst" gehörten Raubzüge, Plünderungen und Brandschatzungen zum Tagesgeschäft der schlecht bezahlten Söldnerheere. Vor allem die Bauern auf dem flachen Land waren bei den zahlreichen Durchmärschen sowohl kaiserlicher als auch schwedischer Truppen schutzlos den Übergriffen einer verwilderten Soldateska ausgeliefert. Geld und alles, was sich zu Geld machen ließ, wurde zusammengerafft und weggeschafft: Mehl und Getreide, Hausrat und Kleider, das Vieh aus den Ställen und von der Weide. Besonders schlimm trieben es die marodierende Banden von entlaufenen Soldaten und allerlei Gesindel aus dem Tross, die auf eigene Faust und mit bestialischer Brutalität auf Beutejagd gingen

Söldner plündern einen Bauernhof

Der damalige Stadtpfarrer von Monheim berichtet:

"Welcher unter der Soldateska die arme betrangte leuth mit raitlen, Schwedischen trinckhen, Klemmen und Zwicken der Finger besser kundte peinigen und es ärger als die Henkersknecht machte, der war ein wackerer kerl, will geschweigen des Jungkfrawen schendens, die leuth an strickhen herumbzueführen, wie vor diesem die Edelleuth ihre Jag- oder hetzhund war nimmer seltzam."

Die Menschen hausten versteckt in den Wäldern oder suchten Zuflucht im befestigten. Wemding. Zahlreich waren die Opfer erlittener Misshandlungen und Entbehrungen oder der immer wieder aufflammenden Pest. Nach einer Erhebung aus dem Jahre 1637 gab es in Wolferstadt wie auch in Otting oder Weilheim keinen einzigen pfalz-neuburgischen Untertan mehr. Die Felder wurden nicht mehr bestellt und die Höfe verfielen. Die Pfarrstelle zu Wolferstadt blieb unbesetzt. Das Domkapitel beauftragte gegen eine Gebühr von 30 Metzen Getreide und 30 Gulden die Wemdinger Geistlichen Georg Blank, Johannes Schlicko (gest.1643) und Richard Binn (1643-1650) mit der Seelsorge. Erst 1655 erhielt Wolferstadt mit Ludwig Epple wieder einen eigenen Pfarrer, der für eine längere Zeit auch die Pfarrei Weilheim mit zu versorgen hatte. Etwa 70 % der Gesamtbevölkerung im Landgericht Monheim haben den Krieg nicht überlebt

Ein Blick in die Vergangenheit Geschichte der Pfarrei Der Roemerstein von Wolferstadt Hagau Das Ehehaftbuch von 1571 Franzosen in Wolferstadt Geschichtliches von Zwerchstrass
Sühne für Mord und Totschlag Anwesen und deren Besitzer im 19.Jahrhundert Gefallen für...............

Wolferstadt im Licht der Ehehaft von 1571

Geschichte der Schule

Kapelle

Quellen der Geschichte: Gemeinderechnungen

Geschichte der Pfarrei

Aus den Anfängen
Eine vorgeschichtliche Kultstättte
Unter der Herrschaft des Domkapitels Eichstätt
Die "Junge Pfalz"
Wolferstadt wird protestantisch
Katholisches Zwischenspiel
Zum 2. Male protestantisch
Bildersturm
Wolferstadt, ein lutherischer Ort
Wieder katholisch
Im Dreißigjährigen Krieg
Bet, Kindlein, bet!
Filialkirche Hagau
Herz Jesu-Kapelle in Weilheimerbach
1925: Glocken auf dem Turm
1952: Neue Glocken
Die Kirchenorgel
Ordensschwestern für die Pfarrei
Verzeichnis der Pfarrer
Kapläne und Cooperatoren