Ein Monument im heiligen Bezirk

Die Entdeckung des Römersteins im Untergeschoss des Kirchturms belegt zum einen eine Jahrhunderte währende Siedlungskontinuität in unserem heimatlichen Raum und lenkt zum anderen das geschichtliche Augenmerk speziell auf die Topographie des Kirchbergs. Die Darstellung diverser römischer Gottheiten auf dem Monument weist eher auf einen Weihestein als auf ein Grabmal. Im Zentrum ihres Hauses ( villa rustica ) oder in einem heiligen Hain aufgestellt bildete der Stein für die Römerfamilie den sakralen Mittelpunkt ihres religiösen Lebens.
Mit dem Einfall der Alemannen ab der Mitte des 3.Jahrhunderts versank das Land nördlich der Donau im allgemeinen Chaos. Die von der römischen Kultur geprägte Bevölkerung floh über die Donau in die südlicher gelegenen Teile des Reiches und es setzte ein Wüstungsprozess ein, in dessen Verlauf das Leben auf dem Land regelrecht abbrach.
Es dauerte nicht lange, da nahmen alemannische Siedler das Land in Besitz. Ein aufgedecktes Gräberfeld aus dem 5./7. Jahrhundert belegt, dass eine alemannische Sippe hier ansässig war, die zur Kernzelle des Ortes wurde. Die Lage des Bestattungsplatzes am Osthang des Kirchbergs deutet darauf, dass in der religiösen Vorstellungswelt der Menschen die Höhe mit freiem Blick nach Osten in Richtung aufgehender Sonne einen besonderen Rang einnahm. Mit dem Sieg der Franken über die Alemannen im Jahre 496 setzte sich das Christentum allmählich durch. Es war sicherlich ein geschickter Schachzug der Mission, die heidnische Gebets- und Opferstätte nicht zu beseitigen sondern im christlichen Sinne umzufunktionieren. So entstand hier wohl die erste Kirche, die dem fränkischen "Staatsheiligen" Martin geweiht war. Der Römerstein als Symbol des nun besiegten Heidentums wurde zum Zeichen der Unterwerfung in das Mauerwerk des Gotteshauses eingefügt. Die exponierte Lage der heutigen St.Martinskirche geht auf eine Kulttradition zurück, die weit in die vorchristliche Zeit zurückreicht.
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Fundort


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Anwesen im 19.Jh. Gefallen für ... Wolferstattische Ehehaft Schule Kapelle Gemeinderechnungen

Der Römerstein zu Wolferstadt

Grenzland im Römerreich
An der Römerstraße
VILLA RUSTICA
Monument im "heiligen" Bezirk"
Pfarrer Strobl berichtet
CORPUS SIGNORUM IMPERII ROMANI