Von der"kluana Schuol"bis zur "Sunntischuol"

In der "kleinen Schul" (Jahrgänge 1-3 bzw.4) wurden die Kinder in den Grunddisziplinen des Schreibens und Lesens unterrichtet und mit den Grundfunktionen des Rechnens vertraut gemacht. Außer der Lesefibel, die in Familienbesitz war, meist mehreren Schülergenerationen dienen musste und dementsprechend abgegriffen und unansehnlich geworden war, gab es keine Schulbücher. Die Schiefertafel war das wichtigste Arbeitsmittel. Die vorherrschende Unterrichtsmethode war der Frontalunterricht. Der Lehrer steuerte den Lernprozess indem er Handlungsabläufe vormachte oder Merksätze formulierte,was die Schüler nachzumachen bzw.im Chor und einzeln nachzusprechen hatten.Auf diese Weise sollten die wichtigsten Grundfertigkeiten und elementares Grundwissen vermittelt werden.
In der "großen Schul" kamen Sachfächer hinzu. In Naturkunde erfuhren die Schüler Grundlegendes über die 4 Elemente: Wasser, Feuer, Luft und Erde sowie von der Lebenswelt heimischer Pflanzen und Tiere. Vaterländische Gesinnung sowie Liebe und Treue zum bayerischen Königshaus waren vorrangige Ziele des Geschichtsunterrichts. Die religiöse Unterweisung war in allen Klassen ein wesentliches Unterrichts-und Bildungsziel. Der Ortspfarrer in seiner Funktion als Lokalschulinspektor und somit Vorgesetzter des Lehrers achtete vor allem darauf, dass dieses Prinzip im Unterricht ausreichend realisiert wurde.

"Sunntischul": Ab1856/57 wurde die Sonntagsschulpflicht vom 13. bis zum 16.Lebensjahr festgesetzt. Die offizielle Bezeichnung lautete "Sonn-und Feiertagsschule", im allgemeinen "Sonntischuoll" genannt. Ein Zeitzeuge berichtet: "Auf den Sonntag brauchten wir uns nicht zu freuen. Frühmorgens mit dem Vater in den Stall, dann schnell waschen und umziehen und um neun Uhr im Gottesdienst sein. Anschließend von elf bis zwölf Uhr Sonntagsschule. Um ein Uhr musste man in der "Christenlehr`" sein. Den Unterricht erteilte der Volksschullehrer des Ortes. Ein alter Schulmeister meinte dazu:"Für die Bauernknechtlein und -mägdlein müssen diese Stunden an den Sonntagen eine Qual gewesen sein..Und was den Lehrer anbelangt; jeden Sonntag: 7 Uhr Frühmesse - 9 Uhr Pfarrgottesdienst - 11 bis 12 Uhr Sonntagsschule - 13 Uhr Christenlehre - 14 Uhr Andacht.. Jeder Zugochse hatte einen Sonntag, nur der Lehrer nicht..
Unterrichtsfächer waren Deutsch, Rechnen und Sachkunde..Das hauptsächlich benutzte Schulbuch war das Lesebuch "Von der Schule ins Leben". Im Rechnen sollten die Schüler befähigt werden "in allen Vorfällen des Lebens, im Kauf und Verkauf, im Überschlagen, Zinsen und dgl. sich helfen und alles berechnen zu können."

Schulprüfung und Entlassungsschein

Leistungsnachweise in Form von Zwischen- und Jahreszeugnissen gab es während der gesamten Schulzeit nicht. Erst zum Abschluss der Werktagsschule und später der Sonntagsschule mussten sich die Schüler einer öffentlichen Prüfung unterziehen. In Anwesenheit des Lokal- und Distriktsschulinspektors sowie einer Abordnung der Schulgemeinde wurde der Wissensstand und die erworbenen Fertigkeiten überprüft. Durch den Öffentlichkeitscharakter sollte einerseits die Objektivität der Beurteilung gewährleistet sowie andererseits die gesellschaftliche Bedeutung der schulischen Bildung hervorgehoben werden. Die Anwesenheit der Gemeindevertreter war nicht nur Ehrensache sondern eine dem Gemeinwohl geschuldete Pflicht. Wer ohne ausreichende Begründung der angeordneten Teilnahme nicht folgte, musste neben einer obrigkeitlichen Rüge auch mit einer Geldbuße rechnen, wie u.a. eine Verfügung des königl. Landgerichts im Falle des Gemeindevollmächtigten X.Jordan aus Zwerchstrass aus dem jahre 1841 zeigt:

Die allgemeine Schulprüfung zu Wolferstadt pro 1841

Da bei der öffentlichen Schulprüfung in Wolferstadt der Gemeindebevollmächtigte Xaver Jordan zu Zwerchstraß ohne legale Entschuldigungsursache nicht erschienen ist, so wird derselbe zur Zahlung der angedrohten Strafe von 1 fl zur Lokalschulkasse in Wolferstadt angeordnet und erfolgt die Pfändung nach Ablauf von 8 Tagen, wenn die Zahlung an den Gemeinde-Schulkassen-Pfleger zu Wolferstadt nicht geschehen ist.

Wemding 2.Juli 1841

Königl.Landgericht
Gerstner

Bekannt zu machen dem Xaver Jordan zur unterschriftlichen Bestätigung
und dem Gemeindepfleger zu Wolferstadt

.

Für die Schüler war es ein Hochgefühl, zum Ende der Schulzeit das Entlassungzeugnis übereicht zu bekommen. Es war nicht nur ein Leistungsnachweis sondern auch ein wichtiger Markstein für den Beruf- und weiteren Lebensweg.


Ein Blick in die Vergangenheit Geschichte der Pfarrei Der Roemerstein von Wolferstadt Hagau Das Ehehaftbuch von 1571 Franzosen in Wolferstadt Geschichtliches von Zwerchstrass
Sühne für Mord und Totschlag Anwesen und deren Besitzer im 19.Jahrhundert Gefallen für...............

Wolferstadt im Licht der Ehehaft von 1571

Geschichte der Schule

Kapelle

Quellen der Geschichte: Gemeinderechnungen

Schulgeschichte

Schule im Mittelalter
Reformationszeit
Anfaenge am Ort
Allgemeine Schulpflicht
Rehmsche Schulstiftung
Werktagsschueler 1840-1841
Maedchenshule
Schule im 19. Jahrhundert
Erziehungs-und Unterrichtsprinzipien
Kleine Schul - grosse Schul
Schulbuaba und Schulmaedli
Armes Dorfschulmeisterlein
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Laufbahn und Beoldung
Fassion von 1850
Verweser oder Lehrer?
1840 Ein neues Schulhaus
Bauvorbereitungen
Finanzierung
Sanierung oder Neubau?
Auf Heller und Pfennig
Schulhaus von 1889
Wasser fuer die Schule
Lehrer in Wolferstadt im 19.Jahrh.