Der Lehrer im 19.Jahrhundert:

„Des Sonntags ist er Organist,
des Montags fährt er seinen Mist,
des Dienstags hütet er die Schwein,
das arme Dorfschulmeisterlein“

Das Spottlied vom armen Dorfschulmeisterlein aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entsprach so ganz den Vorstellungen von der sozialen Stellung des Volksschullehrers am unteren Rand der Gesellschaft. Als Untergebener des Ortsgeistlichen war er ganz auf dessen Wohlwollen angewiesen. Besonders vor Einführung der allgemeinen Schulpflicht galt er als armer Schlucker und Bittsteller in der dörflichen Gemeinschaft. So beklagte sich der Schulmeister Anton Böswald im Jahre 1774 bei der Ortsherrschaft , "er habe von der Gemeinde weder Acker noch Krautbeet noch ein Steckelein Holz ".Das Schulgeld war in der Regel die einzige, aber keineswegs gesicherte Entlohnung. Es wurde meist pro Kopf und Tag und nur für den wirklich besuchten Unterricht entrichtet.Versäumnisse oder ausgefallene Unterrichtstage wurden nicht bezahlt und schmälerten so das Einkommen des Lehrers.

Für eine Taufe: "1 Laib Brot und die Suppen"

Eine einigermaßen sichere Einnahmenquelle war der Kirchendienst:Neben einem Fixum, das er aus den Erträgnissen der kichlichen Stiftungen bezog erhielt er von den Kirchenmitgliedern pro Verrichtung eine Entlohnung, die zumeist an Naturalien verabreicht wurde. So erhielt der erste uns namentlich bekannte "Schulmeister", Marx Beck (1558 -1664)

1.Von jedem Verstorbenen, der zum Nachtmahl gegangen ist ,
erhält der Mesner von den 4 Zeichen mit den 3 Glocken:

1 Laib Brot
1 Henne 4 Eier
1 Schüssel mit schönem Mehl
1 Löffel mit Schmalz

2. Bei einer Taufe:

1 Laib Brot und 1 Pfennig

3. Von einer Hochzeit

die Suppen

"LUDI MAGISTER"

An der Wende vom 18. zum 19.Jahrhundert in den Wirren der Napoleonischen Kriege war Anton Böswald Schulmeister und "magister ludi" (Organist und Kantor) in Wolferstadt. In dieser Funktion erhielt er für die traditionellen Gottesdienste in der Intention der Gemeinde, wie das Schaueramt, die Gottesdienste zu Ehren der "Bauernheiligen" St.Wendelin und St.Leonhard sowie anläßlich von Bittgängen von der Gemeinde die Stolgebühr.:

1796:

"Dem Schulmeister Böswald dahier vor 3 Lobämter Leonhardi-, Wendelini- und dem Schaueramt, dann 6 hl. Messen und Kreuzgang L.Z.(laut Zettel= Nachweis).................................................2 Gulden 3 Kreuzer"
Ferner diesem wegen einem Lobamt in der St.Laurenti Kapell, dann 4 hl. Messen L.Z... 2 Gulden 3 Kreuzer
An Jakob Englhard für das Blasbalgziehen:..............................................................6 Kreuzer

__________________________________________

1799:

Mir Endes Unterschriebenem ist von dem alhiesigen Bürger Meister Ambt wegen Haltung von 3 Lob Ämbtern ,nämlich Schauer-, Wendelini- und Leonhardi Ambt bezahlt worden.............................................................................................................................................45 X
Den Minstranten desgleichen ......................................................................................................6 X
Summa: ..........................................................................................................................................51 X

Wolferstadt, den 20ten October 1799
Anton Böswald L.M ( ludi magister )

__________________________

Böswald betrieb neben seinem Schul-und Mesnerdienst eine kleine Landwirtschaft. Er hatte das Recht wie die anderen Bauern und Söldner sein Vieh auf die gemeindliche Weide zu treiben. Dafür hatte er dem Kuhhirten eine Gebühr zu entrichten:

"Dem Kuhhirten schuldig
Anton Böswald Schulmeister von hier .................................................................10 X"

Staatliche Repressalien und wirtschaftliche Not:

Als im Zuge der revolutionären Vorkommnisse von 1848 sich die Lehrer gegen ihre missliche Wirtschaftslage und die geistliche Bevormundung auflehnten, wurde ihnen unter anderem der Besuch von Wirtshäusern und Tanzböden untersagt, ebenso die Ausübung der Jagd sowie das Tragen von Bärten "als Zeichen eines hochmütigen, widerspenstigen Geistes."
Zu diesen staatlich verordneten Repressalien gesellte sich zudem die wirtschaftliche Not. Um eine Familie ernähren zu können, war er auf Nebeneinkünfte verschiedenster Art angewiesen. Als Gemeindeschreiber.führte er Sitzungsprotokolle, entwarf Haushaltspläne und besorgte den behördlichen und privaten Schriftverkehr. Er fungierte als Hochzeitslader, Festredner und Totengräber. So finden sich bezeichnender Weise im Schuletat 1870 Ausgaben, die man heutzutage unter der Rubrik "Bestattungswesen".einordnen würde:

Sonstige Ausgaben
Lehrer Stockhammer für
Glockenschmieren
Seiler Fackler für 2 Seile
zum Begräbnis
Weißgerber für 2 Schaufeln zum
Begraben der Todten
fl

2
0
X
56
00
84

Landwirt und Schulputzer

Eine weitere Stütze seines Lebensunterhaltes war das in der Fassion festgeschriebene Recht zur Nutzung der "Dienstgründe", einem steinigen Äckerlein hinter der Kirche ,einem Krautgarten und der Schulwiese auf Wemdinger Flur. Dadurch hatte er die Möglichkeit, vielleicht eine Kuh,ein paar Ziegen oder ein Schwein zu halten.
Das tägliche Anheizen der Schulöfen gehörte ebenso zu seinen Dienstaufgaben wie die Reinigung der Schulzimmer. Dies brachte immerhin wieder ein paar Kreuzer ein.


Ein Blick in die Vergangenheit Geschichte der Pfarrei Der Roemerstein von Wolferstadt Hagau Das Ehehaftbuch von 1571 Franzosen in Wolferstadt Geschichtliches von Zwerchstrass
Sühne für Mord und Totschlag Anwesen und deren Besitzer im 19.Jahrhundert Gefallen für...............

Wolferstadt im Licht der Ehehaft von 1571

Geschichte der Schule

Kapelle

Quellen der Geschichte: Gemeinderechnungen

Schulgeschichte

Schule im Mittelalter
Reformationszeit
Anfaenge am Ort
Allgemeine Schulpflicht
Rehmsche Schulstiftung
Werktagsschueler 1840-1841
Maedchenshule
Schule im 19. Jahrhundert
Erziehungs-und Unterrichtsprinzipien
Kleine Schul - grosse Schul
Schulbuaba und Schulmaedli
Armes Dorfschulmeisterlein
Oeffentliche Feste und Feiern
Laufbahn und Beoldung
Fassion von 1850
Verweser oder Lehrer?
1840 Ein neues Schulhaus
Bauvorbereitungen
Finanzierung
Sanierung oder Neubau?
Auf Heller und Pfennig
Schulhaus von 1889
Wasser fuer die Schule
Lehrer in Wolferstadt im 19.Jahrh.