Das Schulwesen in der Reformationszeit

Entscheidende Impulse für die schulische Bildung brachten die Reformation und vor allem die Erfindung der Buchdruckkunst. Jetzt gab es gedruckte Bücher und es regte sich auch in der Landbevölkerung Interesse und Lust am Lesen und Schreiben. Es war im Sinne der Reformation, dem breiten Volk, den unmittelbaren Zugang zur Heiligen Schrift zu gewähren, wozu Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung ins Deutsche den Grund gelegt hatte. So betrieben die protestantischen Fürsten mit Nachdruck die Errichtung von Schulen für das einfache Volk.

Im Fürstentum Neuburg war es Ottheinrich, der in seinem Territorium eine "Schulordnung" erließ. Sie war im Grunde nichts anderes als ein Anhang zu seiner Kirchenordnung und hatte in erster Linie die Durchsetzung und Konsolidierung der Reformation zum Ziel. Der Katechismus und das neue Gesangbuch waren die einigen Schulbücher. Die Kinder und Jugendlichen sollte in die Grundwahrheiten der neuen Glaubenslehre eingeführt und zu gottesfürchtigen Christenmenschen und gehorsamen Untertanen herangebildet werden

Ottheinrichs Kirchen- und Schulordnung

Wie dieselbige inn des Durchleuchtig-
sten Hochgebornen Fürsten und
Herrm/Herrn Ottheinrichs Pfaltz-
graven bey Rhein/ des heiligen Römischen
Reichs Ertzdruchessen/ und Chur-
fürsten/ Hertzog von Nidern und
Obern Bayern und Chur und
Fürstenthumben gehalten
werden soll

M.D.L.CI

Nota
Wo schulen teutsch oder lateinisch sin,
sollen die pfarrer desselben orts schuldig seyn
die schul in einem monat aufs allerwenigst
einmal zu visitieren

Der Ortspfarrer war nicht nur für die Durchführung der neuen Kirchenordnung verantwortlich, sonder war auch als "Local-Schulinspector zuständig für sämtliche Schulangelegenheiten vor Ort.

Pflichten eines angehenden Lehrers

Von einem angehenden Lehrer wurde in erster Linie ein einwandfreier von christlicher Frömmigkeit geprägter Lebenswandel verlangt. Vor seiner Anstellung musste er vor öffentlicher Kirchenversammlung die "Sing- und Orgelprob" ablegen und elementare Kenntnisse im Lesen und Schreiben nachweisen. Nachdem der Bewerber die Zustimmung der Versammlung gefunden hatte, wurde er förmlich auf die vom Fürsten verfassten Grunsätze verpflichtet.

So er nun zu der Administration der Schul tauglich erkhennt/
Sollen jme volgende Artikel fuergehalten werden:

I. Das er die Schuel / so jme befolhen / nach der fuerge-
schribnen Schuelordnung (die auch jme alßbald übergeben /
oder jme abzuschreiben zugestellt / werden soll) mit allem fleiß
anrichten und administrieren woell.

II. Vnd so darinn die gelegenheit der jungen etwas end_
rung erfordert / soll er dasselb nit anderst / denn mit Rath
des Superattendenten desselben ortts / fuernemen vn hierin
allein der jungen nutz vnd fuerderung der leer
bedenken vnd ansehen.

III. Das er mit eim zuechtigen Erbarn und nuechtern leben
den Schuelern ein guet exempel fuertrage

IV. Das er die jungen so jres vnfleiß oder bosheit halben
streflich befunden nicht aus zorn mit poldern sonder gebuer-
lich mit wortten oder rueten strafe.

V. Das er in der Kirchen kein ander gesang oder Psalm
singe, dann wie jm von dem Superattendenten oder Pfar-
rer befolhen wirdt.

VI. Das er sein trew gebe an eines eides stadt dem Durch-
leuchtigsten herrn Ottheinrichen Pfaltzgraven
als ein getrewer vnderthan gehorsam zu sein

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Schulische Anfänge am Ort

Ottheinrich


Wolferstadt Pfarrei Roemerstein Hagau Ehehaftbuch Franzosenzeit Zwerchstrass Sühnesteine
Anwesen im 19.Jh. Gefallen für ... Wolferstattische Ehehaft Schule Kapelle Gemeinderechnungen

Schulgeschichte

1.Schule im Mittelalter
2.Reformationszeit
3.Anfaenge am Ort
4.Allgemeine Schulpflicht
5.Rehmsche Schulstiftung
6.Werktagsschueler 1840
7.Mädchenschule
8.Schule-im-19. Jahrhundert
9.Erziehungs-und Unterrichtsprinzipien
10.Kleine-Schul-grosse-Schul
11.Schulbuaba und Schulmädli
12.Armes Dorfschulmeisterlein
13.Öffentliche Feste und Feiern
14.Laufbahn und Beoldung
15.Fassion von 1850
16.Verweser oder Lehrer?
17.1840 Ein neues Schulhaus
18.Bauvorbereitungen
19.Finanzierung
20.Sanierung oder Neubau?
21.Auf Heller und Pfennig
22.Schulhaus von 1889
23.Wasser fuer die Schule
24.Schwelle zum 20.Jahrhundert
25.Lehrer in Wolferstadt
26.Schule in der NS-Zeit
27.Mühsamer Neubeginn
28-Schule platzt aus allen Naehten
29.Fluechtlinge und Heimatvertriebene
30.Schule im Wandel
31.Schulhausbau 1963/64
32.Richtfest -Einweihung
33.Neuordnung des Schulwesens
34.Dienstwohnung des Lehrers