Wasser für das Schulhaus

Auf Grund der geologischen Gegebenheiten waren die Möglichkeiten der Wasserversorgung innerhalb des Ortsbereichs sehr verschieden Während sich in der Niederung immer genügend und gutes Wasser fand, ließ das poröse und rissige Juragestein auf der Höhe das kostbare Nass rasch in den Untergrund versickern. Bis in die jüngste Vergangenheit hinein - bevor die neue Wasserversorgungsanlage im Jahre 1956 in Betrieb ging - hatten nur die Bewohner im Tal einen direkten Zugang zum Wasser. Sie schöpften es entweder aus dem Beiden- bzw.Westenbrunnenbach oder gruben einen privaten Brunnen. Schon sehr früh bestand am Dorfplatz ein öffentlicher Brunnen, der "Röhrenkasten". In hölzernen Leitungen, den sogenannten "Deichteln", wurde das Wasser von der "Brunnenheck" bei den "Ochsenwiesen" zur Dorfmitte geleitet und in einem kastenartigen Trog ("Röhrenkasten") gesammelt. Hier holten es die Anlieger für den täglichen Gebrauch, und dorthin trieb man auch das Vieh zur Tränke. Der Bader im Haus Nr.63 (Kastner) deckte seinen erhöhten Bedarf an Badwasser aus dem vorbeifließenden Beidenbach, über den zugleich das Abwasser entsorgt wurde. Die unzulänglichen hygienischen Verhältnisse an der zum Teil morastigen und verschlammten Umgebung des Dorfbrunnens veranlasste den Landrichter und später das Bezirksamt (Landratsamt) wiederholt, auf die Mißstände hinzuweisen und auf mehr Sauberkeit zu achten.
Bei der Gemeindebesichtigung durch das kgl.Bezirksamt im Jahre 1902 heißt es:

" Die Umgebung des Ortsbrunnens ist reinlicher zu halten, insbesondere entsprechend aufzufüllen und zu pflastern, der angesammelte Kot ist regelmäßig zu entfernen!

Noch im Jahre 1914 reklamiert das Bezirksamt:

"Die Umgebung des Ortsbrunnens, die sich fortgesetzt in einem höchst unreinlichen Zustand befindet, ist zu reinigen und künftighin reinlicher zu halten."

.

Die Lage der Schule auf der felsigen Anhöhe bei der Kirche hoch über der besiedelten Talsohle hatte einen entscheidenden Nachteil: es gab weder Bäche noch Quellen und damit auch kein frisches Wasser. Im Garten des alten Schulhauses bestand zwar eine Zisterne , in der sich Regenwasser ansammelte, das sich notdürftig zum Waschen und Gießen gebrauchen ließ, in Trockenzeiten jedoch musste das kostbare Nass vom Westenbrunnen mühsam den Berg heraufgeschleppt werden. Eine inzwischen verstorbene Dorfbewohnerin konnte sich noch gut daran erinnern, wie sie früher (vor 1956) Wasser vom Westenbrunnen in den Friedhof geschleppt habe, um die Gräber zu gießen
Als gravierender Mangel wurde von der Aufsichtsbehörde, dem kgl.Bezirksamt, die fehlende Wasserversorgung für die Schule beanstandet und die Anlage eines Brunnens gefordert, was auf Grund der Bodenverhältnisse auf dem Kirchberg nicht zu realisieren war. Als Ausweg gab es nur die Möglichkeit das Wasser vom Tal in einen gemauerten Behälter in unmittelbarer Nähe des Schulhauses zu pumpen. Schließlich einigte man sich mit dem Söldner Michael Färber (Zollbauerschreiner Hs.Nr.2) darauf, dass er aus seinem Brunnen Wasser für die Schule abgab.
Im Protokoll zur Sitzung der Schulsprengelverwaltung sind die Einzelheiten der Beschlussfassung festgehalten:

Wolferstadt, den 6. Dezember 1889

Protokoll
Gegenstand der Beratung:
Anlage eines Brunnens zum Schulhaus

Praes.:
Bürgermeister V o g l
Gemeindeschreiber W o l f f
Die unterzeichneten Schulsprengelvertretungsmitglieder


Unterm Heutigen versammelten sich die Mitglieder der Schulsprengelvertretung um in vorwürfiger Angelegenheit Beschluß zu fassen.:

Nachdem seitens des kgl.Bezirksamtes Donauwörth die Anlage eines Brunnens beim Schulhause für unerläßlich erachtet wurde und von dieser hohen vorgesetzten Behörde hieher der Auftrag zur Anlage eines Brunnens ergangen ist, so wurde unterm Heutigen einstimmig beschlossen, einen solchen in unmittelbarer Nähe des neu erbauten Lehrsaalgebäudes anzubringen. Das Wasser wird dem Brunnen des Söldners F ä r b e r Michael ( Zollbauer-Schreiner) dahier entnommen und dasselbe mittels eines Pumpwerks zum Schulhaus befördert. Färber Michael erklärt, das zum Schulhaus nötige Wasser abzulassen, wofür derselbe für Alassung des Wassers 250M (zweihundertfünfzig Mark) und für die herzustellende Röhrenleitung auf seinem mit Korn angebauten Acker 50 M (fünfzig Mark) Entschädigung erhält. Genanntes Wasser überläßt Färber für ewige Zeiten und wird seinerzeit hierüber ein gerichtliches Protokoll errichtet. Brunnenreinigung sowie Reparatur im Innern des Brunnenschachtes übernimmt je die Hälfte die Gemeinde und Färber Michael.
Sollte Wassernot eintreten, so verpflichtet sich Färber, seinen angrenzenden Nachbarn kein Wasser mehr abzulassen. Ebenso hat kein Grundbesitzer in der sogenannten Kirchengasse das Recht, an dem seinerzeit hergestellten Brunnen Wasser zu holen. Färber verpflichtet sich, den bei der herzustellenden Röhrenleitung Secher gleich dem seinigen i.e. 2 Schuh zu legen. Sollte jedoch besagte Wasserleitung nicht bewerkstelligt werden können, so erhält Färber nur fünfzig Mark Entschädigung für seinen angebauten Acker. Die Schulvertretung sowie Färber Michael erklären vorstehenden Vertrag für null und nichtig, wenn auf eine billigere Art und Weise Wasser zum Schulhause geliefert werden könnte.
Mit Vorstehendem einverstanden zu sein, erklärt durch eigenhändige Unterschrift


Michael Färber
und die Schulsprengelvertretung.

Der erwähnte Brunnen, ein kleines "Wasserreservoir" mit einem begrenzten Fassungsvermögen, war oberhalb des Schulgartens am alten Wemdinger Weg und wurde in den 60-er-Jahren des vorigen Jahrhunderts nach dem Bau der Wasserleitung beseitigt.

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