In der Schule des 19. Jahrhundert

Gliederung :

Die Kinder mussten ab dem 6.Lebensjahr zunächst 6 Jahre lang und ab 1856/57 sieben Jahre die Werktagsschule besuchen, anschließend 3 Jahre die Feiertags- oder Sonntagsschule. In den kleineren Landschulen wurden sämtliche Jahrgänge einklassig geführt, d.h. alle Schüler vom 6. bis zum 13.Lebensjahr wurden in einem Raum von einer Lehrkraft unterrichtet. In Wolferstadt gab es 2 Abteilungen: die "kleine Schul "mit den Jahrgängen 1 - 4 und die "große Schul" mit den Jahrgängen 5 - 7 (später:8). In einem Schulsaal waren bis zu 80 Kinder untergebracht.

"Die Schulbank drücken":

Die Schüler saßen in langen Schulbänken, den sogenannten "Subsellien", mit abgeschrägten Schreibflächen, einem Fach für die wenigen Schulutensilien, dem Schuhbrett und einer Vertiefung für das Tintenglas. Je nach Klassenstärke war so eine Schulbank mit bis zu 6 Schülern belegt.
Großer Wert wurde auf eine richtige Sitzhaltung gelegt. Das richtige und vor allem ruhige Sitzen wurde als Voraussetzung einer konzentrierten Lernhaltung angesehen.
In den Schulvisitationsprotokollen wird immer wieder darauf hingewiesen.

So heißt es im November 1886:

"Die Gewöhnung der Schüler an die richtige Körperhaltung ist aber nicht bloß ein Gebot der Schulgesundheitspflege, sondern zugleich ein wichtiges Disciplinarmittel; denn es ist gewiss, dass ein Kind , welches angehalten wird, auf seine äußere Haltung zu achten, sich auch innerlich zusammennehmen und Akta der Selbstbeherrschung üben muss."

- Die Füße müssen ganz auf dem Boden oder Fußbrette ruhen.
- Die Oberschenkel müssen auf der Sitzfläche aufliegen; das Sitzen auf der Kante der Bank ist nicht zu gestatten.
- Der Oberkörper soll leicht nach vorn geneigt und keinesfalls an die Tischkante angelehnt sein.
-. Der Kopf ist möglichst gerade zu halten , so dass das Kinn die Brust nicht berührt.
- Die Schultern müssen parallel zur Tischkante gehalten werden.
-. Die beiden Schultern sollen gleich hoch sein.
- Der linke Vorderarm liegt ganz, der rechte wenigstens mit seiner vorderen Hälfte auf der Tischplatte.

Lehrerpult und Schultafel:

Der Katheder des Lehrers stand auf einem erhöhten Podest, von dem aus er einen guten Überblick über die Klasse hatte und seine Anweisungen erteilte. In der Schublade waren die Listen, in denen täglich die Absenten vermerkt wurden sowie die Eingänge der monatlich fälligen Schulgelder. Auf dem Pult lag gut sichtbar der gefürchtete "Tatzenstecken", mit dem der Lehrer für Disziplin in der Klasse sorgte.

Den Mittelpunkt des unterrichtlichen Geschehens bildete eine an der Frontseite des Schulsaals auf einem dreibeinigen Gestell angebrachte schwarz gestrichene Holztafel. Auf sie schrieb der Lehrer mit Kreide die Buchstabenformen, die die Schüler abzumalen hatten. Besonders geschickte Schüler durften ihre Schreibkünste an der Tafel vorzeigen.

Fließendes Wasser gab es nicht. Deshalb stand eine Schüssel mit Wasser bereit, das man vom nächsten Brunnen herbeigeschafft hatte und ein Schwamm, mit dem die Tafel von Zeit zu Zeit gereinigt wurde.
Ein Kruzifix sowie die Bildnisse der regierenden Majestäten, des Königs und der Königin hingen an den sonst schmucklosen Wänden.

Die Beheizung:

Ein gußeiserner Ofen sollte in der kalten Jahreszeit für Wärme sorgen.Für das Holz zum Beheizen der Schulräume war die Gemeinde zuständig. Finanziell war dies mit 110 Gulden auch der größte Posten in der Jahresrechnung.

Aus der Jahresrechnung 1889/90:

fl
Gulden
X
Kreuzer
Bürgermeister Brucklacher f. Versteigerung des Ankaufs von Schulholz, Beifuhr und Spalten - 48
an H.Spitalpfarrer Meyer für 3 Klafter Holz 48 00
an Spitalmesner Bach für 2 Klafter Holz samt Wellen 34 21
an Spitalpfleger Reichherzer für 100 Wellen 5 15
an Alois Vogel: Fuhrlohn für Beischaffung von 1 Klafter und 100 Wellen 5 48
Johann Riedelsheimer für Abschneiden und Spalten des Holzes 5 48
Lehrer Stockhammer f. Beheizung und Reinigung der Schulsäle 7 24
110 24

Die Bereitstellung des Schulholzes funktionierte nicht immer reibungslos. So beklagte sich Lehrer Böswald im Jahre 1796, er habe von der Gemeinde "kein Steckelein Holz erhalten."Manchmal wurde zu frisches oder zu wenig Brennholz geliefert. Es kam sogar vor, dass Schüler im Winter jeweils ein Scheit Holz mit in die Schule bringen mussten, um das Zimmer beheizen zu können.
Da sich im Schulzimmer nur ein einziger Ofen befand, war die Wärme deshalb ziemlich unterschiedlich verteilt. In einem Visitationsbericht des Bezirksamtes heißt es hierzu:

"Es besteht die Übung, die Schüler während der gamzen Winterszeit auf denselben Plätzen, die ihnen beim Beginn des Schuljahres angewiesen wurden, zu belassen, so dass die Schüler, welche neben dem Ofen zu sitzen kommen, fortwährend der Hitze, andere, welche bei der Türe oder hart an den Fenstern immer der kalten Zugluft ausgesetzt sind. Dem Lehrer wird empfohlen, gegebenen Falles einen öfteren Wechsel bei diesen weniger günstigen Plätzen eintreten zu lassen, jedenfalls aber dafür zu sorgen, dass überall, wo die Bänke mehr an den Ofen heranreichen, Ofenschirme angebracht werden."


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Wolferstadt im Licht der Ehehaft von 1571

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Lehrer in Wolferstadt im 19.Jahrh.