Die "Laurenzi - Kappel"

Neben der Pfarrkirche besitzt Wolferstadt seit Beginn des 18.Jahrhunderts ein weiteres Gotteshaus:die St.Laurentiuskapelle . Verschiedentlich wird von einem Vorgaengerbau aus dem 12. Jahrhundert berichtet und in Verbindung mit dem Chorherrenstift Berchtesgaden gebracht, das hier um 1150 einige Höfe und herrschaftliche Rechte besaß. Es ist aber nichts über den Standort dieser Kapelle und deren Schicksal überliefert. Weder Mauerreste noch irgendwelche Gegenstände geben Hinweise dazu..
Die jetzige Kapelle wurde zwischen 1701und1709 unter Pfarrer Johannes Bayr erbaut. Diese Jahre waren überschattet von den blutigen Auseinandersetzungen im Spanischen Erbfolgekrieg, die auch unseren Raum berührten. 1703 belagerten die österreichischen Truppen unter General Johann von Palfi die Stadt Wemding, die sich ihm am 12. Juli ergab. Pfarrer Bayr berichtet, daß sich „viele Bürger von Wembding aus Furcht vor den rohen und unsittlichen Kriegssoldaten“ nach Wolferstadt und Hagau flüchteten.
Die Wirren der Zeit verzögerten immer wieder den Fortgang der Bauarbeiten. Nicht erschüttert werden konnte jedoch der Wille der Wolferstädter, das begonnene Werk zu vollenden. Eine Inschrift am Hochaltar rühmt das Engagement des Pfarrers und die Opferbereitschaft seiner Pfarrkinder

Anno 1702 Ist dieße Capell von Grundt Auff gefiert und Anno 1707 dißer Altar aufgericht worden durch fleiß und bemiehungen deß wohl Ehrwirdigen und Hochgelehrten herrn Lizenciat Johann Bayr der Zeit pfarrer zu wolferstatt, durch beyhilff unterschiedlich guettätern von wellchen alle Auff Gegangen uncosten durch gemelten herrn pfarrer seint ersamblet und auffgebracht worden“

Die Spenden übertrafen offensichtlich alle Erwartungen, denn der Pfarrer entschloss sich kurzfristig „statt einer ganz kleinen Kapelle "eine größere Kirche dem hl.Lorenz zu Ehren erbauen zu lassen.

Mehr noch als in den Ausmaßen zeigt sich ihre Größe in der für eine Dorfkapelle außergewöhnlich prunkvollen barocken Ausstattung. Die einzigartigen Stuckarbeiten mit einer üppige Fülle an Früchten erinnern an das Anliegen des Landmannes:"...der uns die Früchte der Erde geben und erhalten wolle."

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Die Kapelle ist Eigentum der politischen Gemeinde. Seit den 1960er-Jahren wurden zunächst unter Bürgermeister Martin Kleinle und ab 1978 unter dessen Nachfolger Xaver Schnierle aufwendige Sanierungsarbeiten durchgeführt, um den durch massive Nässeschäden drohenden Verfall zu verhindern. Den sachkundigen Restauratoren ist es gelungen, den Wolferstädtern ihre „Kappl“ zu erhalten und im neuen Glanz erstrahlen zu lassen. Die Wiedereinweihung wurde von der Bevölkerung am 7./8. August 1982 mit einem großen Fest gefeiert.

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