VILLA RUSTICA

Römischer Gutshof

Zwischen Weilheimerbach und Dattenbrunn in der Flurlage Biberg zeichnet sich im Bewuchs eines Ackerfeldes deutlich der Grundriss eines ehemaligen Gebäudekomplexes ab. Es handelt sich hierbei offensichtlich um die Überreste eines römischen Gutshofes, einer

"VILLA RUSTICA".

Mehr als 100 derartige Gutshöfe sind inzwischen im Rieskessel und den benachbarten Randhöhen des Jura bekannt. Sie konzentrieren sich hauptsächlich auf den fruchtbaren Böden im Südwestries. Auf den kargen und steinigen Böden der Jurahöhen sind sie relativ selten. Sie dienten überwiegend der Versorgung der römischen Truppeneinheiten, die in den Kastellen und im Hinterland des Limes Dienst taten.  Bewirtschaftet wurden die Höfe zum großen Teil von Veteranen des römischen Heeres und ihren Angehörigen. Das Leben und Arbeiten auf dem Lande genoss bei den Römern höchstes Ansehen. So rühmt Cicero, ein angesehener römischer Schriftsteller, das Landleben mit diesen Worten:

"Nihil est agricultura melius, nihil uberius, nihil dulcius, nihil homine libero dignius." -

"Nichts ist besser als die Landwirtschaft, nichts schöner, nichts angenehmer, nichts einem freien Mann würdiger."

Als Standort bevorzugt wurden häufig sanft geneigte Talhänge oder ruhige, beschauliche Wiesentälchen, wie dies bei unserem Hof erkennbar ist.

Ansicht einer villa rustica

Das Gehöft lag inmitten seiner Wirtschaftsfläche, vergleichbar also mit der modernen Betriebsform eines Aussiedlerhofes, wobei die lockere und weiträumige Anlage das Erscheinungsbild prägte.Im hinteren Teil des mit einer Mauer eingefriedeten Hofbezirks ist das Herrenhaus und das Bad, vorne sind die Wirtschaftsgebäude platziert.
Die Architektur war von Zweckmäßigkeit bestimmt. Die Grundrisse der meisten bekannten villae zeigen durchwegs ähnliche Baumuster. .
Dem Klima und der Bodenbeschaffenheit im Hahnenkammgebiet entsprechend trat die Viehwirtschaft (pecuaria) gegenüber dem Ackerbau (agricultura) in den Vordergrund. Die entsprechenden Produkte wie Fleisch, Käse und Wolle gingen in der Hauptsache in die nahen Kastelle. Die Pferdezucht stand ebenfalls vorwiegend im Dienste der Grenztruppen,die Zug-,Last- und Reittiere dringend benötigten.
Die Römervillen leisteten einen wesentlichen Beitrag zur Befriedung des Landes und zur fortschreitenden
Romanisierung der Bevölkerung. Die Begegnung mit römischer Lebensart und der Umgang mit Gütern aus den fernsten Provinzen des Reiches zogen die ansässige Bevölkerung in ihren Bann. Im Laufe der Zeit fühlten sich die meisten Kelten mehr den Römern zugehörig als ihrem eigenen Volk.
Mit den ausgedehnten Raubzügen alemannischer Krieger zu Beginn des 3.Jahrhunderts setzte eine regelrechte Landflucht ein. Das Leben auf dem Lande brach zusammen. Schon Jahre, bevor der letzte römische Soldat seinen Posten am Limes verließ, lag das Land öde und wüst. Damit war das Schicksal der VILLA RUSTICA besiegelt, die fast 150 Jahre lang das Bild der Landschaft und das Leben der Menschen bestimmt hat.
.

Die Ergebnisse der Ausgrabungen einer villa rustica bei Hüssingen sind wegen ähnlicher Standortbedingungen exemplarisch auch für unsere Anlage:.

Ausgrabung der Mauerreste

Rekonstruktion des Hauptgebäudes

Der viereckige Komplex von etwa 26 x 20 m Seitenlänge bestand aus einem recheckig abgewinkelten Gebäudeteil und einer massiven Hofmauer. Das Erdgeschoss des Bauwerks diente vermutlich der Lagerhaltung, die Wohnräume befanden sich im Obergeschoss. Anhand von Kleinfunden - neben Arbeitsgeräten wie eisernen Sicheln sowie Gewandschmuck und Scherben von Ton- und Glasgefäßen - lässt sich das Bauwerk in die zweite Hälfte des zweiten und in den Beginn des dritten nachchristlichen Jahrhunderts datieren..


Wolferstadt Pfarrei Roemerstein Hagau Ehehaftbuch Franzosenzeit Zwerchstrass Sühnesteine
Anwesen im 19.Jh. Gefallen für ... Wolferstattische Ehehaft Schule Kapelle Gemeinderechnungen

Ein Blick in die Vergangenheit

Landschaft
Die ersten Siedler
Eine Siedlung der Alemannen?
Pfarrkirche St.Martin
Laurentius-Kapelle
Herrschaft des Domkapitels
Kastenamt Wolferstadt
Das Hofmarkgericht
Der Zehentstadel
Das Ende der domkapitelschen Herrschaft
Von der Hofmark zur politischen Gemeinde