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Pfalz-Neuburg

Der Ulberg

Zeugnisse der Vergangenheit birgt der vielen Wanderfreunden bekannte Ulberg, der Hausberg dieser Gegend. Um ihn ranken sich zahlreiche Geschichten und geheimnisvolle Legenden, deren historischer Wahrheitsgehalt allerdings sehr fraglich ist.
Der Name ist wohl als "Eulenberg" zu deuten; ein Zusammenhang mit Ulrich von Truhendingen oder einem Ulrichspatrozinium ist in keiner Weise belegt. Ebenso unhaltbar ist die weit verbreitete Annahme, hier sei einst das Nonnenkloster "Stahelsberg" gestanden und von aufständischen Bauern im 16. Jahrhundert zerstört worden. Dies beruht offensichtlich auf einer Verwechslung, denn ziemlich gesichert gilt heute der Burgberg bei Ursheim (Stahlsmühle) als tatsächlicher Standort.
Noch ungeklärt ist die Herkunft der deutlich erkennbaren wallartigen Erderhebungen in der Nähe des Jägerhauses. Die überlieferten Bezeichnungen "Hunnenringe" oder "Tempel" beruhen auf spekulativen Erklärungsversuchen, in denen von einem Lager der Hunnen, einer heidnischen Kultstätte, einer keltischen Fliehburg, einem römischen Wachtturm ebenso die Rede ist wie von den Überresten einer Turmhügelburg, die ein Herbod von Höbing um 1140 hier errichtet haben soll. Möglicherweise handelt es sich um den Standort jenes Ulberghofes, der in den Urbaren der Marschälle von Pappenheim und des Deutschen Ordens im 14. Jahrhundert öfters genannt wird.
. . .In der Sendung "Zwischen Spessart und Karwendel" am 18.12.2020 brachte der Bayerische Rundfunk u. a. einen Beitrag mit dem Titel "Lost place Ulberg - Seltener Fund in geheimer Höhle" Gezeigt wurde, wie der Hobby-Höhlenforscher Arthur Rosenberger mit seinem Team eine Karsthöhle in unmittelbarer Nähe der Erdwälle erkundete. Dabei förderte er bedeutende Funde aus frühgeschichtlichen Epochen zu Tage, entscheidende Hinweise, die geheimnisvolle und sagenumwobene Vergangenheit in das Licht konkreter geschichtlicher Betrachtung zu bringen. Steinzeitliche Messer und Speerspitzen sowie verschiedene Tonscherben, u.a. Bruchstücke von Sigillata-Geschirr aus der Römerzeit bezeugen eine lange geschichtsträchtige Vergangenheit und von der frühen Steinzeit bis in das hohe Mittelalter währende Siedlungskontinuität.
Spuren der Steinzeit

Bereits 10 000 Jahre vor unserer Zeitrechnung lebten hier Menschen, die in einsamen Höhlen hausten.und mit ihren steinzeitlichen Waffen die Gegend durchstreiften. Sie machten Jagd auf Tiere die zum Teil inzwischen ausgestorben sind, wie Höhlenbär, Höhlenhyänen oder gar das elefantenähnliche Mammut.. Als Jäger und Sammler waren sie ständig auf der Suche nach Nahrung. Der einst - anders als heute- unbewaldete Bergrücken war für die Menschen der Vor-und Frühzeit offensichtlich ein höchst mythischer Ort, ein heiliges Areal, wo sie sich ihren Gottheiten nahe wähnten. Das deutlich mit einem Erdwall markierte Viereck ist mit ziemlicher Sicherheit der Keltenzeit zuzuordnen. Hier zelebrierten einst keltische Priester, die einflussreichen Druiden, kultische Handlungen, indem sie u.a.
ihren Erdgöttern Opfergaben in tiefen Schächten versenkten. Im Kriegsfall fanden die Menschen hinter dem mit Pallisaden bestückten Wall Zuflucht und erhöhte Sicherheit In dieser Doppelfunktion - Kultstätte und Wehranlage - war der Ort von zentraler Bedeutung für die Menschen der Umgebung.über lange Zeiträume hinweg.

Römer auf dem Ulberg

ANTONINUS PIUS

Die Funde - vor allem eine Münze mit dem Bildnis des römischen Kaisers Antoninus Pius (138 -161 n.Chr.) - weisen auf eine starke römische Präsenz im 2.nachchristlichen Jahrhundert. Es ist davon auszugehen, dass die Römer die exponierte Lage des Ulbergs im Hinterland des Limes für ihre Sicherheitsvorkehrungen und strategischen Planungen zu nutzen wussten. Die Existenz einer "specula", eines römischen Wachtturms dürfte nach den neuesten Erkenntnissen zutreffend sein.

Turmhügelburg

Ebenso wahrscheinlich ist, dass Generationen später jener Herbod von Höbing an dieser traditionsreichen Stätte eine Turmhügelburg erbaute..

Ulberghof

Es ist anzunehmen, dass man die vorgefundenen Überreste des durh Menschenhand geformten Geländes nutzte und im Zuge des Landesausbaus Bauern ansiedelte. Hier könnte auch jener Ulberghof gestanden sein, der als Lehen des Deutschritterordens schriftlich überliefert ist..
In den unheilvollen Jahren der Pestzeit ( Mitte des 14.Jahrhunderts) dürfte diese lange Kult-und Siedlungskontinuität ihr jähes Ende gefunden haben

Eine eindrucksvolle Sehenswürdigkeit auf dem Ulberg ist zweifellos die "Kappel", deren Gemäuer mitten im Wald in die Höhe ragen. Ihre respektablen Ausmaße und die durchaus anspruchsvolle Architektur deuten auf ein ansehnliches Bauwerk, dessen Zweckbestimmung mit Sicherheit über die einer bloßen Kapelle hinausging. Die Entstehungsgeschichte soll auf einen Marienbildstock zurückgehen, zu dem um das Jahr 1460 zahlreiche Wallfahrer pilgerten. Der Deutschorden als zuständiger Grundherr beschloß daher den Bau der Kirche, und der Landkomtur von Ellingen, Melchior von Neuneck, erbat von Papst Paul II. (1464-1471) einen Ablaß für die frommen Pilger, der im Jahre 1466 auch gewährt wurde. Nach der vorübergehenden Einführung der Reformation Mitte des 16. Jahrhunderts erlosch die Wallfahrt, und die Kirche wurde dem Verfall preisgegeben. Das Gnadenbild kam nach Gundelsheim und befindet sich heute im Diözesanmuseum in Eichstätt. Ein Holzrelief in der Ortskapelle zu Zwerchstraß, den Tod Mariens darstellend, soll ebenfalls aus dieser Kirche stammen.

Die dunklen Gemäuer der Ulbergruine gaben wiederholt Anlass zu geheimnisvollen Spekulationen religiöser Eiferer. In der Zeit zwischen 1724 und 1731 erregte ein gewisser Johann Georg Weber aus Zwerchstrass in der Gegend großes Aufsehen. Der Mann hielt mit seinen Anhängern in der alten Kapelle geheime Zusammenkünfte ab, predigte von verschiedenen Erscheinungen, die er gehabt habe, von einem Kloster, das die Engel gebaut, von einem heiligen Leib, der auf dem Ulberg ruhe und von einer neuen Kirche, die er unter dem Namen St.Jakob zu stiften den Auftrag habe. Die Umtriebe nahmen allmählich ein solches Ausmaß an, dass der Eichtätter Bischof sich gezwungen sah, energisch Einhalt zu gebieten. Der Anführer musste öffentlich widerrufen und als Zeichen der Unterwerfung und Reue sich mit einer schwarzen Wachskerze vor die Kirchentüre zu Wolferstadt stellen.

Der Ulberg mit seinen umfangreichen Waldungen blieb noch bis 1805 im Besitz des Deutschen Ordens; einer seiner letzten Waldaufseher war Xaver Eigen aus Zwerchstraß.


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Geschichtliches von
Zwerchstrass

Der Ortsname "Zwerchstrass"
Die Dreistammesecke
Herrschaftsträger und Landesausbau
Abgegangene Orte
Der Ulberg
Unter der Herrschaft Pfalz-Neuburgs
Während der Franzosenzeit
Die politische Gemeinde
Die Siebeneichhöfe